Manchmal ist da dieses Gefühl, dass etwas nicht mehr passt. Obwohl eigentlich alles in Ordnung ist. Der Alltag funktioniert, die Familie ist da, der Beruf, die Aufgaben und Verpflichtungen und trotzdem bleibt eine leise Unzufriedenheit.
Oft ist gar nicht so leicht zu sagen, woher dieses Gefühl kommt.
Vielleicht ist es die Sehnsucht nach Veränderung. Vielleicht das Gefühl, sich selbst irgendwo zwischen den vielen Anforderungen des Lebens verloren zu haben. Oder einfach die Ahnung, dass das eigene Leben auch anders aussehen könnte.
Woher kommt diese Unzufriedenheit?
Unzufriedenheit entsteht nicht immer, weil in unserem Leben etwas offensichtlich falsch läuft. Manchmal entsteht sie dort, wo das eigene Leben und das, was wir uns eigentlich wünschen, nicht mehr ganz zusammenpassen.
Und manchmal lohnt sich ein Blick darauf, wie wir gelernt haben, unser Leben zu gestalten.
Während meines Studiums der Gender Studies habe ich mich intensiv mit der Frage beschäftigt, wie gesellschaftliche Vorstellungen unser Denken und Handeln beeinflussen. Besonders spannend finde ich dabei den Blick auf die unterschiedlichen Generationen von Frauen und darauf, was sich verändert hat und was vielleicht weniger, als wir denken.
Unsere Mütter und Großmütter sind unter anderen Bedingungen aufgewachsen als wir. Viele Möglichkeiten, die für Frauen heute selbstverständlich erscheinen, standen ihnen nicht oder nur eingeschränkt offen. Vorstellungen von Familie, Beruf und der Rolle einer Frau waren stärker vorgegeben.
Heute haben Frauen wesentlich mehr Möglichkeiten, ihr Leben selbst zu gestalten. Und vieles hat sich tatsächlich verändert.
Aber nicht alles.
Denn manche Erwartungen sind nicht verschwunden, sondern haben sich verändert oder sind subtiler geworden.
Aus der Erwartung, dass Frauen sich um Haushalt und Familie kümmern, ist nicht automatisch eine gleichberechtigte Verantwortung von Frauen und Männern geworden. Vielmehr tragen Frauen häufig weiterhin einen großen Teil dieser Verantwortung. Gleichzeitig sollen sie ihren eigenen Weg gehen, unabhängig sein, beruflich erfolgreich sein, eine gute Partnerin und Mutter sein, für andere da sein und gleichzeitig auf sich selbst achten.
Die Möglichkeiten sind größer geworden aber damit auch der Anspruch, allem gerecht werden zu müssen.
Und vielleicht liegt genau darin ein Widerspruch, der viele Frauen begleitet.
Wenn etwas nicht mehr passt
Unzufriedenheit kann ein unangenehmes Gefühl sein. Wir möchten sie gerne möglichst schnell loswerden oder einen konkreten Grund dafür finden.
Aber vielleicht muss sie nicht immer sofort gelöst werden.
Vielleicht darf sie zunächst einmal eine Frage aufwerfen:
Was stimmt für mich nicht mehr?
Denn manchmal ist Unzufriedenheit nicht das Zeichen dafür, dass mit uns oder unserem Leben etwas nicht stimmt. Vielleicht zeigt sie uns vielmehr, dass etwas in uns in Bewegung gekommen ist.
Was für die Generation vor uns selbstverständlich war, muss nicht automatisch auch unser eigener Weg sein. Und gleichzeitig tragen wir vielleicht mehr von diesen alten Vorstellungen in uns, als uns bewusst ist.
Vielleicht beginnt Veränderung genau dort, wo wir diese leise Unzufriedenheit nicht länger übergehen, sondern ernst nehmen.