Im Laufe unseres Lebens nehmen wir viele verschiedene Rollen ein. Wir sind Tochter, Partnerin, Mutter, Berufstätige, Freundin, Kollegin oder vielleicht auch diejenige, die sich kümmert, organisiert und für andere da ist.
Diese Rollen gehören zu unserem Leben. Sie geben uns Orientierung, verbinden uns mit anderen Menschen und können uns viel bedeuten.
Doch manchmal lohnt es sich, genauer hinzuschauen:
Wer bin ich eigentlich jenseits all dieser Rollen?
Rollen begleiten uns ein Leben lang
Unsere ersten Rollen lernen wir schon sehr früh kennen. Wir erleben in unserer Familie, was von uns erwartet wird, welche Aufgaben wir übernehmen und wie wir uns verhalten sollen. Dabei lernen wir nicht nur, was wir tun sollen. Wir lernen auch, was es bedeutet, eine Frau, eine Tochter, eine Partnerin oder später vielleicht eine Mutter zu sein.
Vieles davon geschieht ganz selbstverständlich. Und vieles verändert sich im Laufe der Generationen. Unsere Großmütter hatten andere Möglichkeiten und andere gesellschaftliche Erwartungen als unsere Mütter. Und auch unser Leben sieht heute in vielerlei Hinsicht anders aus.
Trotzdem gibt es Vorstellungen, die sich erstaunlich hartnäckig halten:
Die Frau, die alles zusammenhält.
Die Mutter, die sich aufopfert.
Die Partnerin, die Rücksicht nimmt.
Die Berufstätige, die selbstverständlich alles unter einen Hut bekommt.
Vielleicht haben sich die Rollen verändert. Vielleicht sind neue hinzugekommen.
Aber der Anspruch, viel zu leisten und gleichzeitig für andere da zu sein, ist vielen Frauen vertraut.
Wenn aus einer Rolle ein Selbstbild wird
Eine Rolle zu haben ist nicht das Problem. Schwierig kann es werden, wenn wir irgendwann nicht mehr unterscheiden, wo die Rolle aufhört und wir selbst beginnen.
Wenn „Ich bin Mutter“ unbewusst zu „Ich muss immer für alle da sein“ wird.
Wenn aus „Ich bin berufstätig“ der Anspruch entsteht, ständig funktionieren und leisten zu müssen.
Oder wenn wir uns so sehr darüber definieren, was wir für andere sind, dass wir unsere eigene Person kaum noch wahrnehmen.
Dann kann es passieren, dass wir zwar genau wissen, welche Rolle wir erfüllen, aber immer weniger wissen, wer wir selbst darin sind.
Zwischen den Erwartungen und dem eigenen Ich
Vielleicht kennst du das Gefühl, dass du in einer bestimmten Rolle sehr gut funktionierst und trotzdem manchmal das Gefühl hast, dass etwas von dir selbst zu kurz kommt. Das bedeutet nicht, dass du deine Rollen ablegen musst.
Es bedeutet auch nicht, dass Familie, Partnerschaft oder Beruf weniger wichtig sind.
Vielleicht geht es vielmehr darum, sich selbst innerhalb dieser Rollen nicht aus dem Blick zu verlieren. Denn du bist mehr als das, was du für andere bist. Du bist nicht nur Tochter, Partnerin, Mutter oder Kollegin.
Hinter all diesen Rollen steht eine Frau mit einer eigenen Geschichte, Persönlichkeit und Entwicklung.
Und vielleicht ist es manchmal gut, sich daran zu erinnern.
Wer bin ich, wenn ich einmal nicht darüber nachdenke, was andere von mir brauchen?
Diese Frage ist eine Einladung, sich selbst wieder ein wenig genauer wahrzunehmen.